Kurzmitteilung: 96 lehnt Aufnahme von 119 potentiellen Mitgliedern weiterhin ab

Im Thema um die vor einigen Wochen abgelehnten 119 Mitgliedsanträge gibt es bisher noch immer keine Bewegung.

Wie Pro Verein 1896 berichtete, wurden 119 Antragsteller vom Verein „zum Wohle des Vereins“ abgelehnt, da man ihnen bestimmte Intentionen unterstellte. Dieses fragwürdige Verhalten wurde auch bundesweit in diversen Medien aufgegriffen und hinterfragt.

Am gestrigen Donnerstag kam es nun zu einem Treffen zwischen Vertretern des gewählten Fanbeirates sowie Vertretern des Vereins, in dem es um dieses Thema gehen sollte. Hierzu die offizielle Stellungnahme des Fanbeirates:

„Liebe Fanszene, liebe Fanclubs,

nach Ablauf der Saison erhielten wir zahlreiche Anrufe und Nachrichten, dass Mitgliedsanträge für eine Mitgliedschaft im Hannoverschen Sportverein von 1896 e.V. ohne eine Begründung abgelehnt wurden. Nach dem wir das Ausmaß von mittlerweile weit über 120 abgelehnten Mitgliedsbeiträgen erfasst hatten, nahmen wir umgehend als Fanbeirat Kontakt zum Verein auf und baten mit Fristsetzung um eine schriftliche Stellungnahme.

Diese erfolgte bekanntlich nicht. Allerdings bot Hannover 96 uns ein Gespräch für den 03.08.2017 an, welches wir heute wahrgenommen haben.

An dieser Stelle möchten wir aus Gründen der Vollständigkeit der Darstellung aus der hannoverschen NEUEN PRESSE vom 03.08.2017 widersprechen, dass seitens Martin Kind auf uns zugegangen wurde. Auch ging es nicht unter anderem um die abgelehnten Mitgliedsanträge, sondern ausschließlich um dieses Thema.

Seitens Hannover 96 e.V. nahmen die Herren Kind, Krause, Dierich und Rehberg an dem Gespräch teil. Unserem Wunsch, Mitglieder aus dem Aufsichtsrat an diesem Termin teilnehmen zu lassen, wurde dabei nicht entsprochen.

Nach einleitenden Worten des Herrn Dierich vermittelten uns die Vertreter des Vereins zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, sich ernsthaft auf das Gespräch vorbereitet zu haben, noch die Fanszene als ebenbürtigen Gesprächspartner zu sehen. Viel mehr betätigte man sich einfachster rhetorischer Stilmittel, um sich vermeintlich mit uns auf eine Ebene zu bringen.

Nach mehrfacher Ermahnung unsererseits, sich bitte sachlich und unausschweifend einer Begründung für die abgelehnten Mitgliedsanträge zu zuwenden, wurden zahlreiche unvollständige Erklärungsversuche platziert, die wir Euch nicht vorenthalten möchten.

Während Herr Krause die Ansicht vertrat, aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft hierzu geben zu können und dass Einzelfallprüfungen bei allen Betroffenen durchgeführt wurden, gab Herr Kind offen zu, dass es zwischen dem Hannover 96 e.V. und dem Lizenzspielbetrieb einen Abgleich um eventuelle Auffälligkeiten (Stadionverbote etc.) gegeben habe, was zu den von Herrn Krause angeführten Einhaltungen von datenschutzrechtlichen Bestimmungen im Gegensatz steht.

Weitergehend sollen einzelne Mitgliedsanträge von Minderjährigen ausgefüllt gewesen sein, worauf seitens des Fanbeirats entgegnet wurde, dass hier sicherlich ein Hinweis darauf als Begründung dazu geführt hätte, eine Unterschrift der Erziehungsberechtigten beizubringen.

Für die Gesamtheit der abgelehnten Anträge fand Herr Dierich sehr umfangreiche Ausführungen. Dieser gab an, dass man sich seitens der Vereinsführung Gedanken zu der Zukunft von Hannover 96 gemacht habe und dabei überein gekommen sei, wie man die Vereinskultur für sich definiere und mit wem man diese gemeinsam im Rahmen seiner Ziele strategisch am besten gestalten möchte. Er gab dabei zu, dass sicherlich auch zahlreiche Antragssteller pauschal betroffen sein, die nicht unmittelbar der aktiven Fanszene zu zurechnen sind. Der Fanbeirat solle diese Entscheidung nicht falsch auffassen, aber es gäbe innerhalb der Gesellschaft und im Leben immer Kreise, bei denen gewisse Personengruppen einfach nicht erwünscht wären, um ein Ziel zur erreichen.

Mehrfach hakten wir an dieser Stelle nach und gelangten wiederkehrend an diese Aussage zurück, die wir für uns aber nicht falsch interpretieren sollen. Da wir hier keinen Interpretationsspielraum erkennen konnten und auch keine Lösung seitens des Vereins präsentiert wurde, beendeten wir an dieser Stelle nach 25 Minuten den Gesprächstermin.

Zusammenfassend nehmen wir an dieser Stelle für uns mit, dass seitens der Vereinsführung des e.V., insbesondere der Person Martin Kind, weiterhin kein Wert auf einen lösungsorientierten und zielführenden Dialog mit der Fanszene gelegt wird.

Wir können an dieser Stelle nur weiterführend allen Interessenten empfehlen, Mitglied im Hannoverschen Sportverein von 1896 e.V. zu werden und sich aktiv an demokratischen Prozessen im Hannoverschen Sportverein zu engagieren.

Mit schwarz-weiß-grünen Grüßen,

Fanbeirat Hannover am 03.08.2017“

Sinnbildlich scheint dafür auch ein heute wieder in der hannoverschen Presse erschienener Kommentar der 96-Verantwortlichen zu sein, dass man weiter zu Gesprächen bereit sei. Augenscheinlich scheint man immer nur dann zu Gesprächen bereit zu sein, wenn Fakten entweder schon geschaffen wurden oder man von seiner Meinung ohnehin nicht abrücken wird. Das Verhalten der Verantwortlichen bei Hannover 96 zeigt jedenfalls den mangelnden Respekt sowohl gegenüber seinen Fans als auch seinen (potentiellen) Mitgliedern.

Als weiteren interessanten Aspekt sehen wir, dass vom e.V. nach eigener Aussage Daten über die abgelehnten Antragsteller eingeholt wurden. Vollkommen losgelöst von der Debatte über Sinn und Unsinn von Stadionverboten oder der Frage, welche Kriterien sonst noch relevant gewesen sein könnten, um im Rahmen der angeblichen Einzelfallprüfung doch pauschal 119 Antragsteller abzulehnen, sehen wir hier einen schweren Verstoß gegen geltende Datenschutzbestimmungen.

Pro Verein 1896 wird sich sowohl in Bezug auf die abgelehnten Anträge als auch in Bezug auf die Datenschutzproblematik weiterhin engagieren und auch rechtlich entsprechend vorgehen.
Bis auf weiteres können wir uns bis dahin nur dem Aufruf des Fanbeirates anschließen, Mitglied im Verein zu werden.