Reaktion: Hannover 96 hat (erneut) verstanden

Nachdem der Vorstand von Hannover 96 sich bereits im Vorfeld der Jahreshauptversammlung mit einem fragwürdigen Brief an die Mitglieder gewandt hatte, wurde gestern erneut ein Vorstandsbrief versandt – dieses Mal als Mitgliedernewsletter per Mail (siehe Anhang).

Wir begrüßen es sehr, dass der Vorstand nun nach über zwei Monaten „umfassender Analyse“ und zahlreichen Zuschriften von Mitgliedern auch zu dem Ergebnis gekommen ist, welches wir schon vor Wochen feststellen konnten (siehe: Mitgliederversammlung 2017- Ein Rückblick und ein Ausblick), nämlich dass die Veranstaltung einen dem Hannoverschen Sportverein von 1896 e.V. unwürdigen Charakter hatte.
Weiter hat man scharf analysiert, dass die Vorbereitung der Jahreshauptversammlung deutliche Mängel aufwies. Diese Einschätzung unterstützen wir. Dies führte schlussendlich zu einer chaotischen Durchführung der Versammlung, was bei vielen Mitgliedern Unmut und Unverständnis hervorrief.

Im Folgenden ergeht sich der Vorstand in der Rezitation der ewig gleichen „Argumente“ von den Vorteilen des Hannover-Modells mit den regionalen Investoren, über den Mythos Stadionneubau bis zum Vereinszentrum Stammestraße. „Argumente“ die von uns längst widerlegt wurden und durch unermüdliche Wiederholung nicht richtiger werden. Daher nur in Kürze:

  1.  Die ersten regionalen Investoren haben sich schon zurückgezogen und Martin Kind hat inzwischen verkündet, an jeden verkaufen zu wollen. (Beitrag: Fangesellschafter gehen von Board)
  2.  Der Neubau des Niedersachsenstadions wurde nicht von Martin Kind oder anderen Gesellschaftern finanziert (Faktencheck: Niedersachsenstadion)
  3. Bei Planung und Finanzierung des Vereinszentrums Stammestraße bestehen noch viele offene Fragen, die auf der JHV trotz eingereichtem Informationsantrag unbeantwortet blieben. Hierzu wird es in kürze neue Erkenntnisse geben, über welche wir dann selbstverständlich umfassend informieren. Erste Informationen findet ihr hier: Mitgliederversammlung 2017- Ein Rückblick und ein Ausblick

Der Vorstand will nun eine Informationsoffensive starten, da man in der Vergangenheit die Vorteile einer Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel nicht genug „akzentuiert“ habe. Auch hier sind wir dem Vorstand bereits zuvorgekommen. Zum Beispiel mit unserer Informationsreihe über das von uns bundesweit erstmalig vollständig veröffentlichte, von den Investoren bzw. der 96-KGaA geheim gehaltene, DFL-Papier, welches die Voraussetzungen für eine solche Ausnahmegenehmigung regelt, und einer transparenten Darstellung der Gesellschafter- und Gesellschaftsstrukturen bei Hannover 96. (siehe: 50+1, das DFL-Papier und der Profifußball in Hannover)

Der Vorstandsbrief schließt mit einer Schuldzuweisung. „Anfeindungen von Fangruppen“ würden das Einvernehmen im Verein stören. Dass diese Fangruppen aus (langjährigen) Vereinsmitgliedern bestehen, denen der Verein am Herzen liegt und die mit ihrem Engagement und ihren Mitgliedsbeiträgen Wohl und Erfolg des Vereins mitgestalten, lässt man dabei unter den Tisch fallen. Soviel dann also zu der „Meinungsvielfalt“, die dem Vorstand angeblich „von zentraler Bedeutung und ausdrücklich erwünscht“ ist…

Welchen Geistes Kind der Vorstand ist, dürfen wir gerade heute auch wieder der Presse (HAZ, 27.06.2017, „Der Präsident will das Sagen“) entnehmen. Einen eindeutigen Beschluss der Mitgliederversammlung mit klarer Handlungsanweisung sieht der Vorstandsvorsitzende Martin Kind lediglich als „Empfehlung“ an. Dabei regelt die Satzung eindeutig:

§ 11 Mitgliederversammlung
1. Die Mitgliederversammlung ist das oberste beschließende Organ des Vereins. Ihre Beschlüsse sind für alle Mitglieder verbindlich.
2. Die Mitgliederversammlung ist zuständig für

f) Entscheidung über Anträge

§ 15 Vorstand

3.
Aufgaben und Pflichten
a) Der Vorstand entscheidet über alle ideellen, sportlichen, wirtschaftlichen und strategischen Belange. Ihm obliegt die Darstellung des Vereins in der Öffentlichkeit.
(…)
c) Der Vorstand setzt Beschlüsse des Aufsichtsrats und der Mitgliederversammlung um.

Der Vorstandsvorsitzende äußert sich also in der Öffentlichkeit bewusst satzungswidrig und kündigt an einen eindeutigen Beschluss der Mitgliederversammlung ignorieren zu wollen.

Als Interessengemeinschaft von Vereinsmitgliedern werden wir uns auch weiterhin für den Erhalt der 50+1-Regel bei Hannover 96 stark machen. Wir werden weiter umfangreiche Aufklärungsarbeit leisten, wie wir es auch in der Vergangenheit bereits getan haben. Als Mitgliederinitiative haben wir das Wohl des Vereins in allen seinen Facetten im Sinne.

Ihr seid interessierte Mitglieder oder aktive Sportler bei Hannover 96 und habt Fragen rund um unsere Initiative, die 50+1-Regel und unsere Bedenken bzgl. einer Ausnahmegenehmigung für Hannover 96? Dann meldet euch bei uns: info@proverein1896.de .Gerne beantworten wir eure individuellen Fragen oder organisieren mit euch zusammen eine Informationsveranstaltung in eurer Sparte, Trainings- oder Fangruppe.

Ihr seid noch kein Vollmitglied bei Hannover 96? Dann wandelt jetzt eure Fördermitgliedschaft in eine Vollmitgliedschaft oder werdet Neumitglied! Zur Mitgliederkampagne: 50+dEins

IG PRO VEREIN 1896

 

Anhang:

Die Email des Vorstands an alle Mitglieder:

Mitgliederinformation

Sehr geehrte Mitglieder, liebe 96er,

rund zwei Monate sind seit unserer Mitgliederversammlung im HCC am 27. April vergangen. Wir haben im Vorstand die Zeit genutzt für eine umfassende Analyse.

Uns haben in den Tagen nach der Veranstaltung zahlreiche Reaktionen von anwesenden, langjährigen Mitgliedern erreicht, ihr Tenor ist eindeutig: Eine Mitgliederversammlung, die geprägt ist von Buh-Rufen, Pfiffen, verbaler Aggressivität oder höhnischem Gelächter, passt nicht zu den Werten, für die Hannover 96 steht und eintritt, schadet dem Bild des Vereins in der Öffentlichkeit und wird den mit großem Engagement in den Gremien arbeitenden Ehrenamtlichen des Vereins in keinster Weise gerecht. Den Respekt, den diese für ihre Arbeit verdienen, haben wir teilweise vermisst. Es ist unser großer Wunsch, dass bei Hannover 96 künftig wieder eine faire, respektvolle Diskussionskultur und ein besseres Miteinander herrschen – auch oder gerade bei unterschiedlichen Meinungen.

Meinungsvielfalt ist für Hannover 96 belebend und von zentraler Bedeutung – und von uns ausdrücklich erwünscht, nicht nur bei einer Versammlung, sondern zu jeder Zeit. Wir möchten Sie, liebe Mitglieder, deshalb an dieser Stelle zum Austausch mit uns ermuntern, egal, welches Thema Ihnen am Herzen liegt.

Zu unserer Analyse gehört zudem die Erkenntnis, dass wir bei der Vorbereitung und Kommunikation der Mitgliederversammlung einiges besser machen können. Unsere Argumente, warum die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung von der sogenannten 50+1-Regel auch für den e.V. von großem Vorteil ist und dessen wirtschaftliches Fundament stärkt, haben wir nicht ausreichend genug akzentuiert. Diese Überzeugungsarbeit werden wir die kommenden Wochen und Monate intensivieren, denn wir sind fest davon überzeugt, mit dem einzigartigen „Hannover-Modell“ auch eine optimale Zukunftslösung für Profisport und e.V. zu besitzen.

96 hat diesen besonderen hannoverschen Weg bereits 1998 mit der Betreff: Ausgliederung des Profifußballs in eine Kapitalgesellschaft eingeschlagen – mit Zustimmung und überwältigender Mehrheit der Mitglieder. Das bei Hannover 96 seitdem praktizierte Zwei-Säulen-Modell – auf der einen Seite der Breiten- und Amateursport, auf der anderen Seite das Wirtschaftsunternehmen Profifußball, beides haftungsrechtlich voneinander getrennt – hat sich in der Vergangenheit bewährt. Gesellschafter, ausschließlich aus der Region und mit Verantwortungsgefühl für diesen Standort, haben den Profibereich und den Verein mit ihren Investitionen wirtschaftlich gesund gemacht. Martin Kind hat an der Spitze des e.V. und an der Spitze der Kapitalgesellschaft mit professioneller Führung und Kapitaleinsatz das Hannover-Modell im Einklang gehalten.

Wer weiß, wie Hannover 96 im Jahr 1998 dastand, wird wissen, dass die Erfolgsgeschichte der jüngeren Vergangenheit alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist: 14 Jahre ununterbrochener Bundesligafußball und die sofortige Rückkehr in die Erstklassigkeit nach einem Jahr in der 2. Liga wären ohne die erheblichen Investitionen der Gesellschafter nicht möglich gewesen, genauso wenig der Stadionneubau, das neue Nachwuchsleistungszentrum/Die Akademie in der Eilenriede und das geplante neue Vereinssportzentrum in der Stammestraße. Projekte, auf die alle 96-Mitglieder stolz sein dürfen. Der Verein allein hätte das nicht leisten können – und kann das auch heute und in Zukunft nicht.

Als Vorstand sind wir der festen Überzeugung, dass Hannover 96 als Gesamteinheit diese Erfolgsgeschichte nur fortschreiben kann, wenn die Finanzierungsbereitschaft der bestehenden Gesellschafter gefördert und der Einstieg neuer regionaler Geldgeber erleichtert wird.

Grundlage dieser Zielsetzung ist Einvernehmen zwischen dem Verein und den Geldgebern des Profibereichs und keine Anfeindung von Fangruppen. Bitte helft uns dieses Einvernehmen zu erhalten.

Wir freuen uns darauf, mit Ihnen und Euch gemeinsam die Zukunft des e.V. zu gestalten.

Ihr Vorstand

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